Liebe Düsseldorferinnen und Düsseldorfer,
liebee Freund:innen,
„Alles, was ich will, ist, mich von diesem Krieg nicht
einspannen und als blinder Untertan verheizen lassen,
mag ich umkommen, aber ich will nicht als angepasster
Jasager mich vereinnahmen lassen. Ich will nur eins:
nicht mitgemacht haben.“
So schrieb es Otl Aicher, der im 2. Weltkrieg aus der Wehrmacht desertierte.
Desertion heißt sich dem Gehorsam zu verweigern. Junge Männer und Frauen, die an die Front geschickt werden sagen: Ich gehe. Ich laufe weg, ich tauche unter, ich nehme Gefängnis oder Tod in Kauf, um nicht Teil dieses Mordens zu sein. Sie gab es auch in den beiden großen Weltkriegen, wie eben Otl Aicher. Aufgrund einer selbst beigebrachten Verletzung an der linken Hand konnte er eine Zeit lang dem Kriegsdienst entgehen und stand 1943 Hans und Sophie Scholl bei, die wegen ihrer Mitgliedschaft in der „Weißen Rose“ verurteilt und hingerichtet wurden. Nach seiner erneuten Einberufung an die Ostfront desertierte er 1945 und versteckte sich auf dem Bruderhof der Scholls.
Viele Deserteure hingegen wurden erschossen, ihre Namen stehen kaum in Schulbüchern, ihre Geschichten wurden lange verschwiegen. Sie galten als Feiglinge. Dabei taten sie genau das, wozu andere nicht fähig waren: Sie haben den Krieg unterbrochen, zumindest für sich selbst, manchmal auch für andere.
Auch heute sitzen Menschen im Gefängnis, weil sie sich weigern, mitzumachen. Am 6. Januar 2026 erst wurde z.B. der Israeli Yuval Peleg aus einem Militärgefängnis. freigelassen und vom Militärdienst freigestellt. Der 18- Jährige verbüßte eine Haftstrafe von insgesamt 130 Tagen, weil er sich geweigert hatte, den Militärdienst anzutreten. Yuval Peleg begründet seine Verweigerung mit der Beteiligung des israelischen Militärs am Völkermord im Gazastreifen und der rechtswidrigen Besatzung des Besetzten Palästinensischen Gebiets. Es sind junge Leute wie Yuval Peleg oder Iddo Elam und Soul Behar Tsalik, die bereits Strafen absitzen mussten, weil sie nicht nach Gaza gehen wollten, weil sie sich gegen Besatzung stellen. Sie verweigern öffentlich, nehmen Haftstrafen in Kauf und sagen: Wir machen diesen Genozid nicht mit!
Auch in der Ukraine werden z.B. kommunistische Aktivisten und linke Gewerkschafter festgenommen, weil sie sich weigern, Kriegsdienst zu leisten oder die Regierungspolitik abzunicken. In Russland sind Zehntausende Menschen mit Strafen, Prozessen und Polizeigewalt konfrontiert, weil sie den Angriffskrieg kritisieren oder ihre Einberufung verweigern.
Desertieren bedeutet: Ich lasse mir nicht vorschreiben, auf wen ich schießen soll. Ich ordne mich nicht einer Logik unter, in der mein Leben und das Leben anderer nichts wert ist. Es drohen ihnen Tot, Verfolgung und Knast. Und trotzdem entscheiden sich Menschen dafür. Sie machen sich dem Zugriff des Militärs entziehbar.
Während nun drinnen in den Messehallen, die nächsten Millionen-Aufträge geschlossen werden, sagen wir hier draußen: Jede Waffe, die dort verkauft und präsentiert wird, braucht Menschen, die sie bedienen – und Menschen, die sie trifft. Ohne diejenigen, die gehorchen, die „Ja“ sagen,. die den Trigger drücken oder die Drohnen programmieren, ohne diese Menschen funktionieren diese mörderischen Systeme nicht.
Rheinmetall baut die Panzer, die Munition und die Systeme, mit denen Menschen getötet werden. Die Profite dieses Konzerns hängen daran, dass irgendwo Leute eingezogen werden. Sie profitieren davon, dass Deserteure verfolgt und bestraft werden. Ihre Profite setzen voraus, dass genug Leute „Ja“ sagen: beim Anwerben, beim Produzieren und beim Kämpfen.
Wir können dafür sorgen, dass Menschen, die „Nein“ sagen wollen, nicht alleine sind. Dass Jugendliche, die sich nicht zur Bundeswehr locken lassen, wissen: Es gibt eine Bewegung, die hinter ihnen steht. Dass Beschäftigte in Rüstungsbetrieben merken: Es gibt Alternativen und es gibt Unterstützung, wenn sie nicht mehr an Waffen schrauben wollen.
Und wir können die Kriegspropaganda von Rheinmetall und Co. direkt angehen. Im Sommer treffen wir uns in Köln beim „Rheinmetall entwaffnen“-Camp. Dort werden wir, wie bereits letzten Sommer, den Alltag dieser Konzerne stören. Mit Blockaden, mit Infoveranstaltungen und Diskussionen. Da geht es nicht um Symbolik, da geht es darum, die Produktion und die Normalität der Kriegsindustrie konkret zu treffen.
Jede verspätete Lieferung, jede unterbrochene Schicht, jeder Eingriff in ihre Logistik ist Sand im Getriebe dieses mörderischen Systems.
Doch nicht nur in Köln wird es diesen Sommer Aktionen geben. Auch in Hamburg. Vom 24. bis zum 26. September ist dort das NATO-Manöver »Red Storm Charly« angekündigt. Und auch im Ruhrpott sind im Rahmen des Ende-Gelände Camps antimilitaristische Aktionen angekündigt.
Wenn Menschen in Israel ins Militärgefängnis gehen, weil sie sich weigern, nach Gaza zu ziehen, wenn Linke in der Ukraine und Russland verhaftet werden, weil sie nicht in den Krieg wollen, dann ist das nicht ihr privates Problem vor Ort. Das ist Teil unseres Kampfes hier. Sie brauchen Orte, an denen klar gesagt wird: Ihr habt recht, wir stehen auf eurer Seite, und wir greifen die Kriegsmaschinerie dort an, wo wir leben.
Otl Aicher wollte „nicht mitgemacht haben“. Viele, die desertiert sind, wurden dafür getötet, manche später rehabilitiert. Wir haben heute mehr Handlungsspielraum als sie. Wir können uns organisieren, wir können unsere Vision von Zukunft verbreiten, wir können gemeinsam handeln.
Lasst uns hier heute und im Sommer in Köln, Hamburg und überall deutlich machen:
Wir machen nicht mit. Wir lassen uns nicht einberufen. Wir verweigern uns ihren Armeen, ihren Fabriken, ihrer Kriegslogik.
Ob Rheinmetall oder Deutsche Bank – Der Hauptfeind steht im eigenen Land!
Danke.

