GEN Z REGELT – UND ALLE DREHEN DURCH!
Die Demonstrationen am 31. Oktober haben noch nicht einmal begonnen, da scheint ein Teil der deutschen Öffentlichkeit bereits kurz vor dem Nervenzusammenbruch zu stehen.
Seit vergangener Woche überschlagen sich die Schlagzeilen. Allen voran die Springer-Presse malt mit bemerkenswerter Begeisterung den unmittelbar bevorstehenden Untergang deutscher Innenstädte an die Wand. Brennende Barrikaden, Straßenschlachten und Plünderungen: Die Bilder aus Frankreich werden zur Blaupause für ein „Horrorszenario“, das in Deutschland wohl unmittelbar bevorsteht.
Dass die tatsächlichen Protestaufrufe vor allem bessere Bildung, bezahlbares Leben, Klimaschutz und eine Zukunft ohne Wehrpflicht fordern? Geschenkt. Stattdessen werden altbekannte Feindbilder bemüht, die nun auch zusammenwachsen: Die „gefährlichen Linksextremist:innen“ die Hand in Hand mit Migrant:innen, die wahlweise als „Islamisten“ oder „gewaltbereite Krawalltouristen“ dargestellt werden, das Land zerstören. Anti-linke Panikmache trifft auf rassistische Stimmungsmache. Hauptsache, die Bedrohung klingt möglichst groß.
Den vorläufigen Höhepunkt dieser Realsatire liefert die Junge Union Berlin-Mitte. Sie fordert allen Ernstes, die Bundeswehr im Rahmen der Amtshilfe gegen die angekündigten Schüler:innen-Proteste hinzuzuziehen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Jugendliche kündigen Demonstrationen an und die Nachwuchsorganisation einer Regierungspartei möchte das Militär auf den Plan rufen. Viel deutlicher lässt sich die autoritäre Vorstellung von politischer Auseinandersetzung kaum illustrieren. Und RTL lässt einen, für seine rechts-offenen Positionen bekannten, Polizeigewerkschafter verkünden, Randalierer dürften „keine Gnade“ erwarten.
Besonders absurd ist das alles, weil bislang überhaupt nicht absehbar ist, wie groß die Proteste tatsächlich werden. Und so verständlich und nachvollziehbar der Wunsch nach einer ähnlich kämpferischen Jugendbewegung wie in Frankreich auch ist: Dass am 31. Oktober plötzlich halb Deutschland in Flammen steht, ist alles andere als realistisch. Doch das hält die üblichen Verdächtigen nicht davon ab, schon einmal die ganz große Staatskrise auszurufen.
Vielleicht sollte man sich weniger vor protestierenden Jugendlichen fürchten als vor einer Medienlandschaft, die ihnen schon vor der ersten Demonstration den Krieg erklärt. Statt über kaputte Schulen, soziale Ungleichheit, steigende Mieten oder die Militarisierung der Gesellschaft zu sprechen, wird darüber diskutiert, wie viele Hundertschaften notwendig sein könnten, um Jugendliche in Schach zu halten. Und das alles von einer Gesellschaft, die jungen Menschen ständig erklärt, sie müssten sich mehr engagieren, und dann mit regelrechter Hysterie reagieren, sobald sie ankündigen, genau das zu tun.
Unsere Solidarität gilt allen, die sich davon nicht einschüchtern lassen!
Raus auf die Straßen am 31.10.
GenZ regelt!

